Portrait-Ausstellung bei den Fledermäusen
Wir haben unterschiedliche Wege gefunden, Selbstportraits zu malen und am Ende ist dabei eine richtige Ausstellung entstanden.
Die Idee
Ein paar Vorschulkinder haben sich zum Malen und Zeichnen an den Tisch im Kreativbereich gesetzt, einen Stift ausgewählt und losgelegt. Sie zeichneten den Kopf, den Körper und vielleicht noch ein paar Haare. Auf die Nachfrage, wen sie da gezeichnet hatten sagte ein Kind "na das bin doch ich". Wir schauten uns das Bild gemeinsam an und zeigten es dann den anderen Kindern am Tisch. "Könnt ihr erkennen, wer das ist?" - alle Kinder verneinten. Bei einem genaueren Blick auf das Bild wurde auch deutlich, warum: die Haarfarbe war willkürlich ausgesucht, die Augen mit einem schwarzen Stift gemalt und eigentlich trug das Kind auch eine Brille, nur war diese auf dem Bild nicht zu sehen. Auch die anderen Kinder am Tisch hatten ein Bild von einer bestimmten Person gemalt, jedoch stellten wir am Ende alle fest, dass keines davon der tatsächlichen Person ähnelt. "Welche Augenfarbe hast du denn?" fragte ich dann eines der Kinder, dieses schüttelte nur den Kopf. Schnell liefen alle zum Spiegel im Waschraum um nachzusehen. Da entstand die Idee zum Projekt!
Das Projekt
In einer kleinen Gruppe haben wir uns verschiedene Bilder von Künstlern und Prominenten angesehen. "Das ist Mario Götze" rief ein Kind, "den kenne ich, der spielt Fußball". "Die Frau kenne ich auch, das ist Frida Kahlo - das ist eine Malerin". Man sah nur die Gesichter der Personen auf den Bildern, alle unterschiedlich gemalt: mal mit Acrylfarbe, mal gezeichnet mit Bleistift und Kohle und eines sogar mit Wasserfarben. Aber alle hatten etwas gemeinsam, es waren Portraits. "Portraits habe ich noch nie gehört" rief ein Kind - auf die Frage was sie sich denn darunter vorstellen könnten sagte es dann aber "Auf allen Bildern sieht man nur den Kopf, vielleicht ist es deswegen ein Portrait?". Alle nickten. Zum Einstieg haben wir Papier vorbereitet, auf dem schon Umrisse eines Kopfes zu sehen waren. Jedes Kind hatte nun die Möglichkeit, sein eigenes Porträt zu zeichnen. Da ging das Grübeln los, alle diskutierten wild bis das erste Kind aufstand und zum Spiegel ging, der nun mitten im Kreativraum steht. "Ich gucke einfach im Spiegel nach, welche Augenfarbe ich habe", am anderen Tisch schauten die Kinder sich gegenseitig an, um Augenfarbe zu bestimmen. Einige Kinder haben sich sichtlich schwer getan, empfanden nach Mund, Augen und Nasen das Bild für "fertig". Da es ein erster Versuch werden sollte, entschieden die Kinder selbst, wann ihr Portrait fertiggestellt war.
Durch das gemeinsame Ansehen der einzelnen Kunstwerke kamen wir wieder ins Gespräch und bemerkten, dass das ein oder andere Körperteil gar nicht zu sehen ist und man wiederum andere vielleicht irgendwie falsch platziert hatte. Aber fürs erste Mal waren alle zufrieden.
Die Ausstellung
Eine neue Technik sollte den Fokus auf die Details eines jeden Gesichtes schärfen: ausgedruckte Schwarz/Weiß-Fotos der Kinder wurden in eine Klarsichtfolie gelegt und mit einem Folienstift konnten dann die Umrisse nachgezeichnet werden. Auch hier wurde anfangs schnell Mund, Nase und Augen umrandet und es hieß "fertig!". Jetzt konnte man allerdings durch das Herausziehen des Fotos genau erkennen, ob "fertig" wirklich stimmte. Alle mussten lachen, schmunzeln und waren überrascht, wie ihre Zeichnung aussieht und vielen ist sofort aufgefallen, dass sie noch so einiges vergessen hatten: zu den Augen gehören nicht nur die Umrisse sondern auch Pupille, Wimpern und Augenbrauen und mit dem Zeichnen von Kinn und Wange gibt man seinem Gesicht einen richtigen Rahmen. Nach erneuter "Überprüfung" waren dann alle zufrieden mit ihren Kunstwerken und haben begonnen, einen schönen Rahmen für dieses zu gestalten. Am Ende entstand eine richtige Galerie mit vielen besonderen Gemälden: dem eigenen Portrait.